DIE LANGE GESCHICHTE DER MEXIKANISCHEN AUTOMOBILINDUSTRIE

April 06, 2021

Lieferantennetzwerke und staatliche Anreize locken Autohersteller nach Mexiko

Die Geschichte der Automobilindustrie in Mexiko beginnt im Jahr 1925, als Ford eine Montagelinie im Land errichtete. Ford gilt noch heute als der am längsten tätige Automobilhersteller Mexikos. Im Jahr 1935 begann auch General Motors, der damals größte Autohersteller der Welt, mit der Produktion in Mexiko. General Motors ist zurzeit der größte Automobilhersteller des Landes. Im Jahr 1937 nahm Chrysler seine Geschäftstätigkeit auf und festigte Mexikos Platz als kostengünstigen Produktionsort für US-amerikanische Automobilhersteller.


Aufbauend auf dieser Grundlage hat sich die Automobilindustrie zum größten Fertigungssektor des Landes entwickelt und beschäftigt heute mehr als eine Million Menschen. Mexiko ist der sechstgrößte Hersteller von PKW und LKW, der fünftgrößte Hersteller von Autoteilen und sogar der größte Exporteur von Sattelzugmaschinen der Welt. Die überwiegende Mehrheit dieser Fahrzeugproduktion (gut 90%) wird exportiert. 79% gehen allein in die USA.

Dieses gigantische Wachstum fand nicht über Nacht statt. Mexikos mehr als hundertjährige Erfahrung in der Automobilherstellung hat den Wert internationaler Partnerschaften hervorgehoben.

Die Anfangsjahre der Automobilindustrie in Mexiko

Bereits im Jahr 1902 waren in Mexiko-Stadt die ersten Autos anzutreffen. Wurden im Jahr 1902 insgesamt 136 Autos registriert, stieg der Autoverkehr der Stadt im Jahr 1906 bereits auf 800 an. Dieses Wachstum führte dazu, dass der damalige Präsident Porfirio Díaz die erste mexikanische Straßenverkehrsordnung ins Leben rief. Kurz nach dem Ende der mexikanischen Revolution im Jahr 1920 begann die Automobilindustrie in Mexiko zu florieren. Im Jahr 1921 war Buick die erste Marke, die in Mexiko rechtmäßig etabliert wurde. 

Auch wenn die Detroit Big Three (Ford, General Motors und Chrysler) den Umzug nach Mexiko anführten, folgten in den 1950er und 1960er Jahren weitere Autohersteller aus der ganzen Welt diesem Beispiel. 

Im Jahr 1960 begann Toyota dank einer Partnerschaft mit einem lokalen Unternehmen mit der Produktion des Land Cruisers und anderer Fahrzeuge. Doch bereits 1964 fand diese Partnerschaft ein Ende. Nissan begann im Jahr 1961 in einem neuen Werk mit der Produktion des Datsun. Dies war zum damaligen Zeitpunkt die erste Produktionsstätte von Nissan außerhalb Japans. Auch Volkswagen entschied sich im Jahr 1964 für eine Produktionsstätte in Puebla, wo bereits im Jahr 1967 die ersten legendären Käfer produziert wurden. Das verarbeitende Gewerbe des Landes wuchs in dieser Ära jährlich um 7%.

1960er-1970er Jahre: Neue Richtlinien und wirtschaftliche Unsicherheit

In Mexiko waren viele Autohersteller tätig, als die Regierung im Jahr 1962 ein Automobildekret erließ, das den Import von Fahrzeugen, Motoren und vielen anderen wichtigen Autoteilen verbot. Ziel war es, die nationale Automobilindustrie zu fördern, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen und einen bedeutenden technologischen Fortschritt zu erzielen. Die neue Richtlinie sah vor, dass 60% des Fahrzeugwerts aus Mexiko stammen musste, während Autoteile-Werke maximal zu 40% ausländischen Unternehmen gehören durften. Preiskontrollen zielten darauf ab, eine höhere Produktivität zu erreichen.

Unternehmen, die sich gegen diese Richtlinie aussprachen, verließen daraufhin das Land. Dazu gehörten beispielsweise Mercedes Benz, FIAT, Citroën, Peugeot und Volvo. Die amerikanischen Big Three (General Motors, Ford und Chrysler) blieben neben American Motors, Renault, Volkswagen und Borgward in Mexiko.

In den 1960er Jahren wurde in Mexiko auch das berühmte Maquiladora-Programm ins Leben gerufen. Maquiladoras in Mexiko wurden ursprünglich konzipiert, um ausländische Investoren anzulocken und die Beschäftigungsquote zu steigern. Das Programm entfaltete jedoch erst nach mehreren Jahrzehnten sein volles Potenzial.

Im Jahr 1972 legte die mexikanische Regierung ein wiederum neues Regelwerk vor, um die Handelsleistung der mexikanischen Automobilindustrie zu steigern. Diese neuen Änderungen sahen vor, dass der Fahrzeugwert nicht mehr zum Großteil aus Mexiko entspringen müsse. Dafür wurde festgelegt, dass Autohersteller mindestens 30% des Importwerts auch wieder in Form von Fahrzeugen exportieren mussten. Die Autohersteller erreichten bis ins Jahr 1975 jedoch kaum 16%. Umso entschlossener war die Regierung im Jahr 1977, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, mussten viele Automobilunternehmen ihre Werke modernisieren.

1980er bis 1990er Jahre: Wachstum der mexikanischen Wirtschaft 

Trotz des wirtschaftlichen Einbruchs der 1980er Jahre begannen die implementierten Maßnahmen, für zusätzliche Investitionen aus dem Ausland im Automobilsektor zu sorgen. Zu den größten Investitionen gehörte die Inbetriebnahme eines gemeinsamen Werks von Ford und Mazda im Jahr 1986 in Hermosillo (Sonora). Obwohl die Autoteile zunächst aus Japan verschifft wurden, führte die Bildung immer mehr lokaler Lieferanten zu einem stetigen Anstieg des lokalen Fahrzeugwerts. Um schnelle Produktionswechsel zwischen verschiedenen Limousinenmodellen zu ermöglichen, investierte Ford mehr als eine Milliarde Dollar in einen nahe gelegenen Zulieferpark, wodurch die Produktivität des Werks auf eine Kapazität von 300.000 Fahrzeuge pro Jahr erheblich gesteigert wurde.

Dieses sich stetig erweiternde Lieferantennetzwerk war nicht der einzige Anreiz, der zu einem bemerkenswerten Wachstum führte. Zwischen 1989 und 1993 begann Mexiko, neue Richtlinien zu implementieren, um die Automobilindustrie in Mexiko zu liberalisieren und für ausländische Investitionen attraktiver zu machen. Zu diesen Reformen gehörten Änderungen am Maquiladora-Programm, die es Maquiladoras ermöglichten, bis zu 50% ihrer Produkte direkt in Mexiko zu verkaufen. 

Seit der Verabschiedung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) im Jahr 1994 wurde Mexiko als potentieller Handelspartner für Unternehmen in den USA und auf der ganzen Welt interessanter. Im Rahmen von NAFTA profitieren Maquiladoras von erlassenen Einfuhrzöllen und geringeren Zöllen auf bestimmte Produkte. Diese Anreize sorgten in Mexiko für ein erhebliches Wachstum der verarbeitenden Industrie. Der Handel mit den USA im Rahmen der NAFTA sorgte quasi direkt für ein bedeutendes Wirtschaftswachstum.

In den späten 1990er-Jahren führte das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft zu einem Anstieg der Autoverkäufe in Mexiko. Sogar jene Autohersteller, die in den 1960er-Jahren das Land verlassen hatten, ließen sich erneut nieder.

2000er bis 2020er Jahre: Die heutige Automobilindustrie in Mexiko

Der jährliche Fahrzeugabsatz in Mexiko erreichte 2005 eine Million Einheiten und ist seitdem stetig gestiegen. Dieses Wachstum ist mit Sicherheit auf die kontinuierliche Stärkung der lokalen Lieferantennetzwerke sowie auf die Schaffung zusätzlicher Anreize für ausländische Investitionen zurückzuführen.

Im Jahr 2006 bot das IMMEX Programm zusätzliche Vorteile für das bestehende Maquiladora-Programm. Es reduzierte die Kosten und die Belastungen beim Umzug nach Mexiko. Das Programm umfasst fünf Registrierungen je nach Art des zu exportierenden Produkts bzw. der zu exportierenden Dienstleistungen: Holdinggesellschaft, Industrie, Dienstleistungen, Shelter und Outsourcing. Durch die Anreize für Hersteller, Waren zu exportieren, führte das IMMEX-Programm in etwas mehr als einem Jahrzehnt zu einer Steigerung des Exporthandels um 99% von 175 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 350 Milliarden Euro im Jahr 2017.

Im Jahr 2020 wurde das NAFTA Freihandelsabkommen durch die Verabschiedung des Abkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada ersetzt. Das als USMCA bekannte Abkommen hat die Anforderungen an die Ursprungsregeln aktualisiert und schreibt vor, dass Autohersteller für einen 75% aus Nordamerika stammenden Fahrzeugwert sorgen müssen, der unter dem NAFTA Abkommen nur 62,5% betrug.

Mexikos starkes Netzwerk von Freihandelsabkommen trägt zur Attraktivität als globale Exportbasis bei. Nach Berechnungen des Center for Automotive Research führen die Freihandelsabkommen in Mexiko zu Zolleinsparungen von mehr als 3.300 Euro pro Fahrzeug beim Export eines Fahrzeugs im Wert von 20.800 Euro in die EU. Der Tarifvorteil wächst proportional zum Fahrzeugwert.

Ein Blick in die Zukunft 

Heute sind in Mexiko zahlreiche etablierte Autohersteller ansässig. Dazu gehören unter anderem Audi, Baic Group, BMW, FCA Group, Ford, General Motors, Honda, Kia, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Toyota und Volkswagen. Seit 2019 gilt General Motors als größter Autohersteller Mexikos und übertrifft sogar Nissan. Die Autohersteller profitieren allesamt von einem großen Netzwerk an Herstellern von Originalteilen. 

Zurzeit bereitet sich die Automobilindustrie in Mexiko auf die Weiterentwicklung der Branche vor. Ford gilt mit dem in Hermosillo hergestellten Ford Fusion und dem Lincoln MKZ als der erste Hersteller von Hybridautos in Mexiko und entwickelt zurzeit im Werk von Cuautitlan das Elektroauto Mustang Mach-E. Im Jahr 2020 wurde in Mexiko mit der Produktion von neun verschiedenen Elektroautos begonnen.

„Mexiko hat ein enormes Potenzial für die Herstellung von Elektroautos, verfügt über die erforderlichen technischen Fähigkeiten und niedrigere Kosten als andere Länder“, sagte Brais Alvarez, Kundenbetreuer bei J.D. Power Mexico, gegenüber MexicoNow.

Die lange Geschichte der Automobilindustrie in Mexiko hat die inländische Lieferkette gestärkt und gleichzeitig Anreize für ausländische Investitionen geschaffen. Es ist zu einem leistungsstarken Rezept für eine qualitativ hochwertige und kostengünstige Fahrzeugproduktion geworden. Mit mehr als 3,9 Millionen produzierten Fahrzeugen in Mexiko im Jahr 2018, von denen die meisten zum Verkauf in die ganze Welt exportiert wurden, hat sich der Ruf Mexikos als Dynamo für den Automobilbau bewährt.

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